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Günter Wehner:

Frauen in französischen Internierungslagern

So lautet der Titel einer Sonderausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. In der Einladung zur Ausstellung heißt es: immer wieder wandten sich Deutsche in der Emigration gegen die nationalsozialistische Diktatur. Dabei waren sie oftmals in ihren Gastländern Repressionen ausgesetzt. Hierzu gehörte 1939/40 in Großbritannien und Frankreich die lnternierung als "feindliche Auslände?". Aber der van den Nationalsozialisten begonnene Krieg bot vielen auch erstmals Möglichkeiten, sich dem verzweifelten Kampf gegen das Nazi-Regime anzuschließen.

Um an diese Themen zu erinnern, möchten wir gemeinsam mit der DRAFD e.V. herzlich zu folgenden Veranstaltungen in die Gedenkstätte Deutscher Widerstand am Donnerstag, 14. Oktober 1999 einladen: 18.00 Uhr Eröffnung der Sonderausstellung "Frauen in französischen Internierungslagern", 18.30 Uhr "Patrioten oder Verräter?" Ein Film der DRAFD über die weltweite Bewegung Freies Deutschland ..., 19.00 Uhr "Frauen in der Résistance und in der Roten Armee", ein Zeitzeugengespräch mit Henny Dreifuss, Hanna Podymachina und Ella Rumpf. Moderation Gerda Szepansky.

Dank der einfühlsamen Gesprächsführung durch Gerda Szepansky entstand ein lebendiges Bild des Widerstandes deutscher Frauen in Frankreich und in der Roten Armee gegen den deutschen Faschismus. Alle drei Frauen waren genötigt, Deutschland zu verlassen. Henny Dreifuss aus einem bürgerlichen Zuhause musste als Jüdin mit ihren Eltern emigrieren.

 
Hanna Podymachina war durch ihr kommunistisches Elternhaus gezwungen, in der Sowjetunion eine neue Heimat zu finden. Ella Rumpf, in Deutschland verfolgt durch ihren aktiven Widerstand gegen die Nazidiktatur, ging auf Beschluss der illegalen KPD nach Frankreich, um von dort mitzuhelfen, den Widerstand im Land zu organisieren.

Henny Dreifuss und Ella Rumpf schilderten, wie sie trotz unterschiedlicher Lebensbedingungen in der Emigration in Frankreich half en, Juden, insbesondere Kinder, vor der Deportation nach Auschwitz zu retten. Beide sprachen darüber, wie sie unter deutschen Soldaten aufklärend über den verbrecherischen Krieg wirkten oder wie Ella Rumpf zusammen mit französischen und deutschen Antifaschisten von den Alliierten per Flugzeug abgeworfene Waffen in sichere Verstecke transportierte, um für die bevorstehende Befreiung gerüstet zu sein.

Hanno Podymachina hatte sich 1942 zum Fronteinsatz gemeldet. Sie wirkte als Angehörige der Raten Armee in den Kämpfen um Stalingrad durch Frontpropaganda gegen das sinnlose Morden. In vielen Nachtflügen warfen sie Flugblätter über der deutschen Frontlinie ab, die zum Verlassen der Front aufriefen. Auch über Lautsprecher erfolgte diese Aufklärung. Bis zum 8. Mai 1945 wirkte sie an der Front gegen den Krieg.

Das Zeitzeugengespräch war eine sehr aufschlussreiche und emotional packende Veranstaltung, die vor allem die bisher kaum gewürdigte Rolle der Frauen im Widerstand zum Thema hatte. Die ca. 80 Besucher dankten den vortragenden Frauen mit herzlichem Beifall.

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