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Werner Baier:

55. Jahrestag des Slowakischen Nationalaufstandes

Auf Einladung des "Slowakischen Verbandes der Widerstandskämpfer" hatte ich gemeinsam mit dem Kameraden Ernst Kutschera Gelegenheit, an den Feierlichkeiten zu diesem Jahrestag teilzunehmen.

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Mit diesem Jahrestag, auf den sich die gesamte Slowakei in vielfältiger Weise vorbereitet hatte, wurde deutlich, dass der heutige Slowakische Staat weder in seiner Ideologie noch nach der Verfassung ein Nachfolgestaat der Slowakischen Republik von 1939 - 1945 ist. Die Bürger sind in ihrer Mehrheit stolz darauf, dass ihnen der Nationalaufstand von 1944 den Weg in das demokratische Europa gewiesen hatte.

Es ist ein glückliches Gefühl für uns ehemalige Teilnehmer, dass wir nach mehr als fünf Jahrzehnten sehen konnten, wie das Erbe des Nationalaufstandes und das unserer gefallenen Kameraden in Staat und Gesellschaft umgesetzt wird. Zugleich sind wir uns bewusst, dass das Vermächtnis des Sieges über den Faschismus nichts an Aktualität verloren hat. Europa und die ganze Welt ist zwar bisher von einem dritten Weltkrieg verschont geblieben, jedoch toben auf allen Kontinenten regionale Kriege, rassische und ethnische Auseinandersetzungen, die durchaus zum Auslöser eines dritten Weltkrieges werden können.

Es ist sicher wichtig daran zu erinnern, dass der Slowakische Nationalaufstand zum untrennbaren Bestandteil des europäischen Widerstandes im 2. Weltkrieg wurde. Er bedeutete den Eintritt der Slowakei in das demokratische Europa. Die antifaschistische Widerstandsbewegung entstand unter komplizierten politischen, nationalen und sozialen Verhältnissen des slowakischen klerikal-faschistischen Staates von 1939 - 1945. Sie war demokratischer Natur und umfasste alle gesellschaftlichen Schichten. Die Vorbereitungen auf einen bewaffneten Aufstand wurden in der ersten Hälfte des Jahres 1944 intensiviert, und der Aufstand brach am 29. August 1944 los, als die faschistische deutsche Wehrmacht begann, die Slowakei militärisch zu besetzen.

Der Nationalaufstand hatte ein großes internationales Echo und wurde ein bedeutender Bestandteil des europäischen antifaschistischen Widerstandes. Am Aufstand nahmen über 8.400 Angehörige aus 31 Nationen und Nationalitäten von 4 Kontinenten teil. Unter ihnen auch deutsche Antifaschisten, wovon viele ihr Leben für die Freiheit des slowakischen Volkes gaben und in slowakischer Erde ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Nachdem ein wesentlicher Teil der Aufständischen sich in die Berge zurückziehen musste, begannen sie mit dem Partisanenkampf, führten Diversionsakte durch und griffen den Feind im Hinterland an.


Gleichzeitig damit begann im Oktober die Karpato-Dukla-Operation, mit der die 38. Armee der sowjetischen Streitkräfte und das 1. Tschechoslowakische Armeekorps die Befreiung der Slowakei einleitete. Am 6. Oktober 1944 betraten unsere Soldaten des 1. Tschechoslowakischen Armeekorps heimatlichen Boden, mit dem Ruf "Jsme doma - wir sind zu Hause". Es sollte jedoch noch Monate bis zur vollständigen Befreiung auch der Slowakei dauern, bis der Sieg über den Faschismus durch die Alliierten Streitkräfte besiegelt wurde.

55 Jahre sind seit jenen ereignisreichen Tagen, Wochen und Monaten vergangen und wir hatten das Glück, an der Seite ehemaliger Kampfgefährten aus Frankreich, Israel, Kroatien, Polen, Russland, Serbien, Tschechien und der Ukraine, gemeinsam mit unseren slowakischen Kameraden den "Tag des Nationalaufstandes" feierlich zu begehen.

In diesen Tagen hatten wir Gelegenheit, in Anwesenheit des Präsidenten der Slowakischen Republik, Herrn Rudolf Schuster, anderer Regierungsmitglieder, Abgeordneten des Parlaments, Vertretern van Parteien und gesellschaftlichen Organisationen an den Feiern teilzunehmen. Für uns war es ein erhebender Augenblick und ein Gefühl des Stolzes zugleich, als wir aus der Hand des Präsidenten die Medaille "Verdienter Kämpfer gegen Faschismus" 1. Stufe entgegennahmen.

Die Feierlichkeiten gipfelten im zentralen Meeting, wo wir gemeinsam mit Tausenden Bürgern der Stadt und unseren ehemaligen Kameraden diesen Tag begingen. In den sich anschließenden Ansprachen wurde die Bedeutung des Slowakischen Nationalaufstandes für die Entwicklung des heutigen Slowakischen Staates und seiner Gesellschaft hervorgehoben. Es wurde deutlich, dass der Slowakische Nationalaufstand der Beginn des Weges zu einem demokratischen Staat in Europa war, und die Politik jetzt darauf gerichtet ist, die Slowakei zu einem vollwertigen Glied der europäischen Völkergemeinschaft zu entwickeln. Alle Redebeiträge haben besonders die Leistungen der ausländischen Teilnehmer gewürdigt und auch den Anteil der deutschen Antifaschisten.

In uns ist der Glaube und das Wissen, dass das Vermächtnis des antifaschistischen Kampfes "Nie wieder Krieg - Nie wieder Faschismus" in der Slowakei das Leitmotiv des Wirkens unseres Bruderverbandes immer war, ist und immer sein wird.

Wir werden dieses Bemühen mit unseren Kräften unterstützen und freuen uns auf weitere Begegnungen mit unseren ehemaligen Kameraden und der Jugend der Slowakei.

Eine Gruppe von Partisanen vor dem Gefecht

Eine Gruppe von Partisanen vor dem Gefecht