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Kurzbericht von der Mitgliederversammlung 24.11.2001

Aus dem Rechenschaftsbericht des Vorstandes


Bericht über die Jahresmitgliederversammlung am 24.11.2001

Die Jahresmitgliederversammlung billigte die erfolgreiche Arbeit des Vorstandes im Berichtsjahr 2001. Die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes, die Arbeit unter der Jugend sowie die Ausweitung der internationalen Beziehungen bestimmten die ausführliche Diskussion. Besonderes Augenmerk der Versammlung richtete sich auf die Bündelung der antifaschistischen Kräfte im Ringen gegen Neonazismus und Rassenwahn. Die Beteiligung der Bundeswehr am Krieg gegen Afghanistan fand in einer einstimmig gefassten Erklärung entschiedene Ablehnung. Als einzig gesamtdeutsche antifaschistische Organisation bereitet sich DRAFD auf ihr zehnjähriges Bestehen vor.

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung der DRAFD wurde von Professor Doernberg ein Podiumsgespräch mit Peter Gingold, Hans Heisel, Gottfried Hamacher, Hans Herzberg, Freiherr Franz von Hammerstein, Gerhard Leo, Hanna Podymachina, Hermann-Ernst Schauer und Fritz Straube moderiert. In den Schilderungen ihres so unterschiedlichen Weges in den Widerstand gegen den Hitlerfaschismus wurde deutlich, dass der Kampf gegen das Nazi-Terror-Regime kein Privileg einer Partei oder einer Klasse war. Dieser Widerstand hatte Mitkämpferinnen und Mitkämpfer in allen Schichten und war weltweit verbreitet. Er wurde vor allem mit propagandistischen, aber auch oft mit militärischen Mitteln ausgetragen. Dabei wurde auch das eigene Leben aufs Spiel gesetzt.

 

Aus dem Bericht des Vorstandes des Verbandes DRAFD e.V. für 2000-2001

Wir tagen zu einem Zeitpunkt, der für den Frieden nicht sicherer geworden ist. Begrenzte Konflikte drohen, sich zu globalen auszuweiten, wobei der Terror zunehmend an Dominanz gewinnt. Dafür kann es keine Entschuldigung oder gar Rechtfertigung geben.

Wir sa­gen aus eigener schmerzhafter Erfahrung, dass Kriege noch nie Probleme gelöst haben. Sie haben immer nur neue Probleme geschaffen. ,,Krieg multipliziert den Terror und verhindert ihn nicht!" Auch wir mahnen: Die Waffen nieder - kein Krieg.

Wir müssen auch konstatieren, dass nicht allein der innere Friede durch neonazistische Ausschreitungen und rassistischen Ungeist in unserem Lande gefährdet ist. Dieses unser Volk wie kaum ein anderes belastende Phänomen manifestiert sich im Alltag unseres Daseins in zunehmend unerträglicher Weise, durch Politik und Justiz mit formalen Ar­gu­menten gebilligt. Wir bekräftigen deshalb die Adresse an die Verfassungsrichter in Karlsruhe, die auf Initiative auch un­serer Kameradinnen und Kameraden an diese gerichtet wurde:

,,Die zur Befreiung des deutschen Volkes vom Nationalsozialismus und Militarismus erlassenen Rechtsvorschriften werden von den Bestimmungen dieses Grundgesetzes nicht berührt" (Artikel 139 des Grundgesetzes mit der Überschrift: ,,Weitergeltung der Entnazi­fizie­rungs­vorschriften") - sie sind also nach wie vor gültig!

Sie lassen nicht nur die NPD, sondern auch die von den Innenministern verbotenen FAP- Ban­den der ,,freien Kameradschaften" gewähren. Sie haben die Parolen der Neonazis eine ,,missliebige Meinung" genannt, die zu dulden sei. Der Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.

Beenden Sie den Verfassungsbruch! Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!"

Diese Charakterisierung der politischen Lage war auch bestimmend für die Tätigkeit der Verbandsmitglieder.

Die Bündelung antifaschistischer Kräfte

Beide antifaschistischen Verbände, die VVN-BdA in den alten, die VVdN-BdA in den neuen Bundesländern, arbeiten intensiv daran, sich 2002 zu vereinigen.

Sie haben sich über eine gemeinsame politische Erklärung verständigt. Verschiedene Auffassungen gibt es zu organisatorischen Fragen, die sich letztlich in der Satzung bzw. im Statut des dann gemeinsamen Verbandes widerspiegeln werden. Unterschiedliche Erfahrungen und Traditionen machen das nicht so einfach, aber wir sind zuversichtlich, auf der gemeinsamen Vorstandssitzung am 1. und 2. Dezember in Kassel einen für beide Seiten tragbaren Kompromiss zu finden, der den Weg für die Vereinigung im Jahre 2002 frei macht.

Die Kooperation mit dem Verein "Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936 bis 1939" (KFSR) und der AG 999er Antifaschisten hat sich stabilisiert. Das erweist sich in der kontinuierlichen Mitarbeit im Beirat des Verbandes, in dem über Aktivitäten gegenseitig informiert und nach Möglichkeiten der Kooperation, bei selbständiger Verantwortlichkeit der jeweiligen Partner, gesucht wird. Priorität haben dabei stets Aktivitäten mit Erfolgsaussichten für unsere gemeinsame Sache.

Die Arbeit des Vereins KFSR, der am 8. September aus der bis dahin bestehenden Arbeitsgruppe mit gleichem Namen beim Bund der Antifaschisten hervorgegangen ist, stand in diesem Jahr im Zeichen des 65.Jahrestages der Bildung der Internationalen Brigaden in Spanien. Neben einer Artikelserie in der Zeitung ,,Junge Welt" gab es eine Veranstaltung am Spanienkämpferdenkmal und die Enthüllung eines Gedenksteins für die Internationalen Kämpfer (von Mitgliedern und Freunden des Vereins finanziert) im Ehrenhain des Friedhofes auf dem Montjuis /Barcelona), in dessen Erde über 40 000 Francogegner begraben liegen.

Eine Ausstellung der AG 999er Antifaschisten unter dem Titel ,,Wer waren die 999er?" ist in Strausberg gezeigt und rege besucht worden. Und im Mai fand ein bundesweites Treffen zum zehnjährigen Bestehen der AG in Rahnsdorf statt. Das Referat hielt Erich Römer. Gegen Ende des Jahres will sich die AG mit realen Möglichkeiten der Weiterarbeit befassen.

Auf dem Europäischen Friedenskonvent war auch eine Delegation des Verbandes DRAFD vertreten, die unseren Beitritt erklärt hat und in die Liste der unterstützenden Organisationen aufgenommen wurde.

Aus Anlass der Enthüllung eines Gedenksteins für Deserteure und Wehrdienstverweigerer in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald im Mai hat der Vorstand unseres Verbandes in einem Schreiben an den Vorsitzenden der Vereinigung der Deserteure, Kamerad Ludwig Baumann, und an den Direktor der Gedenkstätte Buchenwald seine Genugtuung und Anerkennung für diese längst fällige Form des Gedenkens ausgesprochen.

Nach langwierigen Vorbereitungen erreichten die Kameraden Melis und Wehner im Mai eine Zusammenkunft mit maßgeblichen Vertretern der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport sowie des Landesschulamtes. Im Rahmen des ,,Berliner Aktionsprogramms für Demokratie und Toleranz - gegen Rechtsextremismus, Frem­denhass und Antisemitismus" ist als Ergebnis der Aussprache eine erste Liste überreicht worden, die Bildungseinrichtungen benennt, in denen Projekte anlaufen werden, die mit den Vorhaben unseres Verbandes korrespondieren.

Eine viertägige internationale Tagung zum Thema ,,Der Überfall auf die Sowjetunion und der Völkermord an den Juden" fand im Juni im Haus der Wannseekonferenz statt. 60 Wissenschaftler aus sieben Ländern nahmen daran teil, die in 30 Beiträgen die Ergebnisse ihrer Forschungen vortrugen. Hauptgegenstand der Vorträge und Debatten waren die Verbrechen der Hitlerwehrmacht, ihre Mord- und Raubzüge an der Bevölkerung und den Reichtümern des Landes. Die DRAFD war durch ihren Vorsitzenden Ernst Melis vertreten.

Unser Verband hat auch die wissenschaftliche Veranstaltung ,,Frauen im Widerstand in Frankreich" unterstützt, die von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und dem Mé­morial du Maréchal Leclerc de Hautecloque et de la Libération de Paris und dem Musée Jean Moulin im Oktober in Berlin und Ra­vensbrück ausgerichtet wurde. Unsererseits waren deutsche Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Widerstand in Frankreich zugegen, unter ihnen Ernst Melis, sowie Töchter und Söhne von deutschen Zeitzeugen der Résistance.

Eine Vielzahl von Aktivitäten mit Zeitzeugen

In zunehmendem Maße bestätigt sich die positive Wirkung von Zeitzeugengesprächen in Veranstaltungen, vor allem mit Jugendlichen, die von uns gewollt sind und immer größere Akzeptanz wegen der Authentizität der Erfahrungsvermittlung im Kampf gegen Faschismus und Krieg finden. Leider stehen dieser Tendenz die immer geringer werdenden Möglichkeiten für Angebote gegenüber. Nicht zuletzt deshalb sind wir den Kameradinnen und Kameraden dankbar, welche zwar nicht über die unmittelbare Erfahrung als Zeitzeugen verfügen, aber interessiert und sachlich in der Lage sind, über diese Themen zu sprechen, dass sie öffentlich wirksam werden und mit in die Bresche springen.

Größten Respekt verdient das außergewöhnliche Engagement von Peter Gingold. Sein Bericht über sein Auftreten in der Berichtsperiode als Zeitzeuge im antifaschistischen Kampf, sowohl als Redner auf Großveranstaltungen als auch in kleineren Zirkeln - vor allem in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen - weist eine bemerkenswerte Bilanz aus.

Während eines Podiumsgespräches im Deutsch-Russischen Museum in Karlshorst anlässlich des 60. Jahrestages des faschistischen Überfalls auf die Sowjetunion schilderten Kameraden als Zeitzeugen (unter ihnen Stefan Doernberg, Bernt von Kügelgen, Gerhard Dengler, Gottfried Hamacher, Hermann-Ernst Schauer) vor über 150 Gymnasiasten und Realschülern aus Berliner Schulen ihre Eindrücke vom Kriegsverlauf sowie ihre Wandlung zu Kämpfern gegen die faschistischen Aggressoren.

Aus gleichem Anlass hatte der Deutsche Friedensrat zu einem Podiumsgespräch mit Zeit­zeugen vor einem interessierten Publikum in die Berliner Humboldt-Universität eingeladen.

Mit dem Film ,,Es begann in Eberswalde" und anschließender Diskussion leistete Gerhard Dengler auch in diesem Jahr in fünf Pankower Gymnasien Aufklärungsarbeit im Sinne unsers antifaschistischen Vermächtnisses. Darüber hinaus trat er in weiteren Veranstaltungen auf.

Einer Einladung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand folgend, führte Kurt Hälker mit 15 Studenten aus Toulouse und Schülern der John-F.-Kennedy-Schule in Berlin, die an einem Pilotprojekt ,,Vom Widerstand zur Demokratie" forschten, ein Gespräch über Ziele und Erfahrungen von deutschen Antifaschis­ten im französischen Widerstand.

,,Juden im Widerstand" war das Thema, zu dem Gerhard Zadek im Lisa-Meitner-Gymnasium in Falkensee und im Oktober in einer Abiturientenklasse der Jüdischen Oberschule in der Berliner Großen Hamburger Straße gesprochen hat.

Es konnte erreicht werden, dass auf Beschluss der BVV Berlin-Mitte der Gedenkstein für die Baumgruppe im Lustgarten neu gestaltet wurde.

Zur internationalen Arbeit

Peter Gingold nahm im Februar an einer Debatte über ,,die Deutschen, die Hitler widerstanden" im Straßburger Universitätspalast teil. Über 600 Studenten nahmen mit Spannung auf, was der Zeitzeuge zu diesem Thema zu sagen hatte.

Auch Gerhard Leo nahm an mehreren Veranstaltungen teil, die den deutschen Widerstand in Frankreich zum Thema hatten, so im internationalen Begegnungszentrum für französische Studien in La Bégude de Manzenc und auf einer Veranstaltung des Deutsch-Französischen Jugendwerks im Goetheinstitut in Paris.

In Paris besuchten Hans Heisel und Kurt Hälker das Mémorial du Maréchal Leclerc de Hautecloque und das Musée Jean Moulin und tauschten mit der Direktorin, Madame Christine Levisse-Touzé, Gedanken über beiderseitige Arbeitsvorhaben aus.

Die Zeitzeugen Lore Krüger und Kurt Gutmann sowie Söhne von antifaschistischen Widerstandskämpfern unternahmen im September mit 20 jungen Leuten der Vereinigung Symbiose e.V. aus Berlin-Friedrichshain eine Studienreise nach Gurs, wo sie das ehemalige Internierungslager besichtigten. In Toulouse folgten sie den Spuren des deutschen Widerstandes.

Die bisherigen Ergebnisse der von Jonny Granzow seit drei Jahren betriebenen Forschungen über die spektakuläre Flucht von Interbrigadisten und anderer Häftlinge aus dem Geheimgefängnis in Castres im September 1943 wurden im März 2001 in einer sozio-pädagogischen Broschüre in Französisch veröffentlicht, die besonders für die Jugend dieser Stadt bestimmt war. Der Autor sprach bei dieser Gelegenheit mehrere Male vor Oberschulklassen über Deutsche in der Résistance und hielt einen Vortrag über seine Forschungen im französischen Nationalen Museum und Zentrum Jean Jaurès in Castres.

Unsere Arbeit mit Ausstellungen

Die Ausstellung ,,Für Deutschland - gegen Hitler" wurde Anfang des Jahres in Hamburg gezeigt. Als Zeitzeugen sprachen Stefan Doernberg und Kurt Wittenberg. Auf einer Begleitveranstaltung der Willi-Bredel-Gesellschaft diskutierten die Teilnehmer nach einem Vortrag von Kurt Hälker über die Bewegung ,,Freies Deutschland" in Frankreich.

Im Juni wurde in Berlin-Kreuzberg die Ausstellung ,,Deutsche in der Résistance" der Öffentlichkeit präsentiert. Der als Ehrengast teilnehmende Vizepräsident der ARAC, Guy Lamothe, begrüßte im Namen der französischen Bruderorganisation die Teilnehmer und reflektierte die historische Aussage der Exposition aus französischer Sicht.

Im Rahmen einer Festwoche im Einstein-Gymnasium in Potsdam wurde im September die Ausstellung ,,Für Deutschland - gegen Hitler" gezeigt. Mehrere Zeitzeugen diskutierten mit den Teilnehmern über Erfahrungen im antifaschistischen Widerstand und ihre Nutzanwendung im heutigen Wirken gegen Neonazismus und Rassismus.

Das Nationaal Orlogsen Verzetmuseum in Overloon/ Niederlande ist sehr daran interessiert, unsere Ausstellung über die weltweite Bewegung ,,Freies Deutschland" zu zeigen. Unser niederländische Kamerad Henk de Boer hat beachtliche vorbereitende Arbeit geleistet, in dem er über den Kampf deutscher Antifaschisten im niederländischen Widerstand recherchierte.

Publizistische Tätigkeit

Im Berichtszeitraum sind wiederum zwei Ausgaben unseres Mitteilungsblattes ,,Informa­tion" erschienen. Wir werben weiterhin um Hilfe für diese Arbeit bei Interessenten.

Erfolgreiche Arbeit auf dem Gebiet der Publizistik leistet Gerhard Dengler. Nach seinem ganzseitigen Beitrag über seine da­ma­lige Tätigkeit in der ,,Süddeutschen Zeitung", in den ,,Mitteldeutschen Nachrichten" nachgedruckt, gab es viele Nachforderungen.

Seinem Vortrag im ,,Verein der Auslandspresse" zum 60. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion folgten Interviews und Berichte in mehreren Medien.

Aus gleichem Anlass gab Gottfried Hamacher dem staatlichen Allrussischen Fernsehen RTR ein Interview.

Zum Projekt Kurzbiographien

Die von Gottfried Hamacher vor Jahren begonnene Erfassung von Biographien ehemaliger Angehöriger der Bewegung ,,Freies Deutsch­land" in Europa und Übersee sowie im innerdeutschen Widerstand mit zunächst 450 Kurzbiographien hatte eine gute Resonanz gefunden. Durch weiteres Forschen konnte die Zahl auf 700 erhöht werden.

Wir wollen daran weiter arbeiten und appellieren erneut an unsere Mitglieder, uns dabei zu unterstützen.

Unsere Finanzen

Wir stehen vor der Umstellung von DM auf Euro im nächsten Jahr. Der Vorschlag, die Beitragshöhe ab 2002 auf der Grundlage verschiedener Anregungen auf 20 Euro jährlich fest zu legen, wird hiermit zur Diskussion gestellt.

Zehn Jahre DRAFD

Am 26. Mai 1992 haben wir unseren Verband e.V. als bisher einzige gesamtdeutsche antifaschistische Organisation gegründet. Wir sollten gemeinsam überlegen, wie wir im Mai 2002 dieses zehnjährige Jubiläum begehen.

Der Vorstand ist sich darüber im Klaren, dass auch dieser Bericht nicht vollständig die Ak­tivitäten der Verbandsmitglieder und -freunde widerspiegelt. Für weitere Hinweise ist er dankbar.