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»Duits Verzet« in Amsterdam

Niederländisches Widerstandsmuseum zeigte DRAFD-Ausstellung

»Für Deutschland – Gegen Hitler«

Die Untaten deutscher Okkupanten im Zweiten Weltkrieg sind in den Niederlanden nicht nur bei der älteren Generation unvergessen. Dagegen ist kaum bekannt, dass sich auch Deutsche in den Niederlanden am antifaschistischen Widerstand beteiligt haben. Noch weniger dürfte man darüber wissen, dass weit über tausend Deutsche während des Krieges freiwillig den Streitkräften der Staaten der Antihitlerkoalition beitraten, um so den Befreiungskampf der Völker gegen das faschistische Terrorregime zu unterstützen und wenigstens einen geringen Beitrag für die Geburt eines friedliebenden und demokratischen Deutschland zu leisten. Daraus rührte das Interesse des Verzetsmuseums in Amsterdam an der Dokumentation über die weltweite Bewegung »Freies Deutschland«.

Das niederländische Widerstandsmuseum übernahm als Leihgabe die von DRAFD gestaltete und präsentierte Ausstellung »Für Deutschland – Gegen Hitler«. An der Eröffnung der Exposition unter dem Titel »Voor Duitsland. Tegen Hitler. Verzet van Duitsers in ballingschap« am 3. April 2003 nahmen etwa 70 geladene Gäste teil, darunter niederländische Widerstandskämpfer sowie Schülerinnen und Schüler eines deutschsprachigen Gymnasiums in Amsterdam. Die Ausstellung, deren Eröffnung dankenswerterweise vom Goethe-Institut aktiv unterstützt wurde, wurde bis Mitte Mai in dem vielbesuchten Museum in der Plantage Kerklaan 61, das vornehmlich den niederländischen Widerstand gegen die faschistischen deutschen Okkupanten dokumentiert, gezeigt.

Im Anschluss an die offizielle Eröffnung der Exposition fand ein zweistündiges Podiumsgespräch statt, das von den Teilnehmern der Veranstaltung mit großem Interesse aufgenommen wurde. Als Moderator hatten das Museum und das Goethe-Institut Otto von der Gablentz gewonnen, der im Verlauf seiner langjährigen diplomatischen Tätigkeit auch von 1983 bis 1990 als Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in den Niederlanden gewirkt hatte. Durch seine glänzende Gesprächsführung trug der heute 72jährige maßgeblich zum Erfolg der Podiumsdiskussion bei, an der sich neben Ernst Melis, Fred Dellheim und Stefan Doernberg auch Fritz Behrendt – ein gebürtiger Berliner, der nach wie vor in den Niederlanden lebt – beteiligte. Ausführlich und plastisch berichteten die Gesprächsteilnehmer über ihre Teilnahme an verschiedenen Abschnitten des Widerstandskampfes, über die Motive ihres damaligen Handelns und die Hoffnungen, die sie an den gemeinsamen Sieg aller Völker der Antihitlerkoalition über das faschistische Terrorregime knüpften. Besonderes Interesse fanden verständlicherweise die Ausführungen von Fred Dellheim und Fritz Behrendt über ihre Mitwirkung als Deutsche bei der Befreiung der Niederlande in den letzten Kriegsmonaten. Mit großem Interesse nahmen die Zuhörer die Aussagen über den pluralistischen Charakter der weltweiten Bewegung »Freies Deutschland« und die wenige bekannte Tatsache zur Kenntnis, dass sich Deutsche, vornehmlich politische Emigranten, freiwillig zu den Streitkräften Frankreichs, Großbritanniens, der Sowjetunion und der USA wie auch zu Partisaneneinheiten in vielen von der Wehrmacht besetzten Ländern gemeldet hatten, um so einen Beitrag auch zur Befreiung des deutschen Volkes von seinen schlimmsten Verderbern zu leisten.

Sowohl Otto von der Gablentz als auch Frau Marreveld vom Verzetsmuseum zeigten sich besonders von den so unterschiedlichen Erlebnissen beeindruckt, die im Podiumsgespräch erwähnt wurden. Sie wie auch Zuhörer aus dem Publikum regten an, Möglichkeiten zu finden, um solche plastischen Schilderungen von aktiven Teilnehmern und Zeitzeugen der Teilnahme von Deutschen am antifaschistischen Widerstand von außen – dieses bisher noch unterbelichteten Abschnitts der antifaschistischen deutschen Bewegung – in geeigneter Weise zu publizieren.S.D.

P.S.Wie nach Beendigung der Ausstellung am 18. Mai aus Amsterdam mitgeteilt wurde, haben rund 100 Schulen das Angebot in der Kerklaan 61 genutzt.

 

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