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Humanismus – Leitfaden seines Lebens

Aus der Trauerrede des Russischen Botschafters Wladimir Kotenew für Stefan Doernberg

Stefan Doernberg war für viele als Mensch, Wissenschaftler und Diplomat ein Vorbild. Er war ein aufrichtiger, treuer Freund Russlands, für den die Annäherung zwischen unseren Völkern, die gegenseitige Bereicherung der nationalen Kulturen und die Vermittlung von Kenntnissen übereinander ein persönliches Anliegen waren. Es sind Menschen wie Stefan Doernberg, die die historische Aussöhnung zwischen Russen und Deutschen möglich gemacht und dazu beigetragen haben, dass aus den Feinden von einst Freunde wurden. Dies tat er aus Überzeugung, als ehemaliger Offizier der Roten Armee, Antifaschist, Demokrat, der konsequent dafür eintratt, dass vom deutschen Boden nie wieder ein Krieg ausgeht. Dieses zutiefst humanistische Ziel wurde zum Leitfaden seines gesamten Wirkens. Seine letzte öffentliche Botschaft am 24. April 2010 im Treptower Park richtete er an die Junge Generation Russlands. Sie dürfe die Verdienste ihrer Väter und Großväter im heldenhaften Kampf gegen den Hitlerfaschismus nie vergessen und solle die strategische Partnerschaft zwischen Russland und Deutschland vorantreiben. Mit Bestürzung nahm man in Moskau die traurige Nachricht von seinem Ableben auf, umso mehr weil man ihn in Moskau am 9. Mai zur Siegesfeier als Ehrengast erwartete.

Mit großer Herzenswärme erinnere ich mich an unsere Gespräche am 21. April diesen Jahres in der Botschaft bei der Pressekonferenz anlässlich des 65. Jahrestages des Sieges über die Nazidiktatur. Trotz Krankheit hielt er es für notwendig, nicht nur zu dieser Veranstaltung zu kommen, sondern dort eine spontane und dafür umso brillantere Rede zu halten, in der er erneut den gewichtigen Beitrag der UdSSR zur Befreiung Europas vom Hitlerfaschismus hervorhob. Wenn es den 8./9. Mai nicht gegeben hätte, würde die Zivilisation heute ganz anders aussehen, wenn es diese Zivilisation überhaupt noch gäbe.

Dem kann ich nur hinzufügen: Es sind Menschen wie Stefan Doernberg, denen wir den Fortbestand dieser Zivilisation verdanken. Ohne ihn wäre die heutige ein finsterer Ort gewesen. Wirtrauern um ihn und werden Ihn sehr vermissen.