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Rezension von Günther Wehner:

Vom Anhänger zum Mann des Widerstands

Faktenreiche Publikation zum Nationalkomitee »Freies Deutschland« und Bund Deutscher Offiziere

Der Autor Prof. Dr. Hans-Peter Bruchhäuser stellt mit seiner Publikation neue kaum bekannte Fakten zur Rolle und Bedeutung des Nationalkomitees „Freies Deutschland" (NKFD) und des Bundes Deutscher Offiziere vor. Er untersucht die bis heute scharf umstrittenen Organisationen der deutschen Zeitgeschichte aus der Sicht der Akteure der Bewegung „Freies Deutschland", ergründet ihre Motive und die Konsequenzen ihrer Handlungsweisen.

Anhand der Biografie des Pädagogen Dr. Heinrich Abel analysiert der Autor erstmals wie sich dessen Wandlung vom überzeugten Anhänger des NS-Regimes zum führenden Mitarbeiter im Bund Deutscher Offiziere bis hin zum ersten Lehrstuhlinhaber für Berufs-, Wirtschafts- und Arbeitspädagogik in Westdeutschland vollzog.

Die breit angelegte faktenreiche Publikation ist in 17 Kapitel logisch gegliedert. Bruchhäuser skizziert anhand sorgfältig recherchierter Fakten treffend den Entwicklungsgang des Bürgersohnes Heinrich Abel, der sich zu einem führenden Funktionär der NS-Reichsjugendführung entwickelte. Der Autor macht am Beispiel Abels deutlich, dass nicht wenige der führenden Funktionäre der NS-Diktatur aus der Mitte der Gesellschaft kamen und sich sowohl beruflich und politisch entsprechend ihrer Neigungen vorbehaltlos in dieses Regimes einordneten und ihm überzeugt dienten.

In den Kapiteln zu Polen und Frankreich beschreibt Bruchhäuser, dass es für Abel ein Bedürfnis war, an den Feldzügen gegen diese Länder teilzunehmen. Er schildert ihn als zutiefst politischen Soldaten und späteren Offizier. Im weiteren Verlauf der Schilderungen „... bis nach Stalingrad" ändert sich wenig an der politischen Überzeugung. Abels. Selbst die bitteren Erfahrungen im Kessel von Stalingrad bewirken bei ihm kaum eine Veränderung seiner politischen Überzeugungen und Einstellungen zum NS-Regime.

Im Kapitel 7 „Kriegsgefangenschaft" erfährt der Leser wie sich Abels Haltung in Bezug auf sein bisheriges Leben verändert und er sich mit den Geschehnissen in der Schlacht um Stalingrad auseinandersetzt. Nachvollziehbar beschreibt der Autor die Gespräche zwischen Wilhelm Pieck und Hans Abel, den man für die aufklärerische Arbeit unter Kriegsgefangenen gewinnen möchte.

Die Gründung des NKFD am 12. und 13. Juli 1943, seine Zusammensetzung, die Aufgabenstellung, die Ergebnisse der Tätigkeit an der Front und in den Kriegsgefangenlagern schildert der Autor unter Verwendung zahlreicher persönlicher Gesprächsnotizen mit Zeitzeugen, neuer, bisher unbekannter Fotos und Dokumente, die zugleich auch die Vorbehalte gegen das NKFD aufzeigen und die vorhandenen unterschiedlichen Probleme die es im NKFD gab, widerspiegeln. Hier widerlegt Bruchhäuser auch bisherige publizistische Legenden über das NKFD.

Unter der Überschrift „Ein neuer Antifaschist" widmet sich der Autor dem absoluten „biografischen Bruch" Abels, der nunmehr sein Wissen und Können als Angehöriger im Bund der Deutschen Offiziere im antifaschistischen Sinne einbringt, Bruchhäuser lässt hier auch nicht den widersprüchlichen Umgang aus, den Abel durch die zuständigen Überwachungsorgane der UdSSR nach 1945 bis zu seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft erleben musste.

Auf weiteren Seiten verfolgt Bruchhäuser den Lebensweg Abels, der am 24. April 1950 nach Osterrode zurückkehrte und eine bemerkenswerte Karriere machte - bis zum ersten Lehrstuhlinhaber für Berufs-. Wirtschafts- und Arbeitspädagogik an der Technischen Hochschule in Darmstadt.

Das Buch ist ein wertvoller Beitrag zur Analyse des Wirkens des NKFD und des Bundes Deutscher Offiziere, mit einer Fülle an neuen Erkenntnissen, gewonnen durch die Einbeziehung neuer Fakten, Dokumente, Fotos und Berichte, aus Gesprächen mit den noch lebenden Zeitzeugen, die vorbildlich vom Autor dokumentiert und zusammengestellt wurden. Neue Wege zur Erforschung der oben genannten Organisationen erschließt der Autor durch sein biografisches Herangehen an das Thema. Leserfreundlich sind die umfangreichen Anmerkungen am jeweiligen Ende eines Kapitels einsehbar. Bestechend ist die Fülle an Quellen, die auf 56 Seiten aufgelistet werden. Ein Abbildungsverzeichnis nebst Abkürzungshinweisen und ein Personenregister runden die informative Publikation ab, deren Lesbarkeit durch einen akademischen Sprachstil etwas eingeschränkt wird.

Das Buch ist ein unverzichtbarer Baustein für die gegenwärtige Auseinandersetzung mit allen Spielarten des Rechtsextremismus.

Dr. Günter Wehner


Der weite Weg zur Umkehr

Hans-Peter Bruchhäuser:  Heinrich Abel -Eine deutsche Karriere
mit einem Beitrag von Vladimir A. Vsevlodov

Mitteldeutscher Wissenschaftsverlag Magdeburg 1. Auflage 2009

ISBN 978-3-941792-005; 637 Seiten

 

 

Kurzbiografie Heinrich Abel im DRAFD-Wiki