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Karol Swierczewski-Walter - Ein Soldat der Revolution

1947 fiel Waffengeneral Karol Swierczewski einem konterrevolutionären Anschlag in Polen zum Opfer

 

Von Dr. Dieter Rostowski, Ehrenkombattand der 2. Polnischen Armee

Karol Swierczewski wurde 1897 in einer 10-köpfigen Arbeiterfamilie in Warschau geboren. 1915 nach Russland evakuiert, trat er 1917 der Roten Garde bei, nahm an der Oktoberrevolution teil und wurde 1918 Mitglied der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki).

Er studierte von 1924 bis 1927 an der Frunse-Militärakademie und wirkte bis 1936 im Generalstab der Roten Armee. 1936 bis 1938 befehligte er als der legendäre „General Walter" internationale Verbände und Brigaden der Spanischen Volksarmee.

 

 

1943 gehörte er zu den Gründern polnischer Formationen in der UdSSR, kämpfte in der 1. Polnischen Armee und führte bei Kriegsende die 2. Polnische Armee (PA) im Bestand der 1. Ukrainischen Front. (vgl. Abb.)

 

Nach dem Krieg stand Karol Swieczewski in vorderster Front, um eine neues Volkspolen zu schaffen. Der polnische Armeegeneral Stanislaw Poplawski erinnerte sich später: „Das Banditentum nahm noch größere Ausmaße an, nachdem Mikolajczyk und andere Emigrantenführer nach Polen zurückgekehrt waren. Auf ihr Geheiß wurden fahrende Funktionäre der Arbeiterbewegung und Vertreter der Volksmacht umgebracht. Durch Banditenhand fiel im März 1947 auch mein unvergesslicher Freund Karol Swierczewski."

Als Waffengeneral Karol Swierczewski am 28. März 1947 bei Baligrod in Südostpolen unter den Kugeln konterrevolutionärer Banditen fiel, vollendete sich das Leben eines Soldaten der Revolution. Gerade „fünfzig" geworden, starb er, wie er dreißig Jahre lang als Angehöriger dreier Armeen und Teilnehmer dreier Kriege gelebt hatte: im unerbittlichen Kampf gegen die Feinde des Sozialismus, in welcher Gestalt und Maske sie sich auch immer der Sache der Arbeiterklasse, die stets die seine war, entgegenstellten.

Um Karol Swieczewski trauerten nicht nur weite Teile des polnischen Volkes, sondern die Arbeiterbewegung vieler Länder. Denn er hatte sich in allen Etappen seines ereignisreichen Lebens als Patriot und Internationalist erwiesen. Schon als 15-Jähriger lernte er unter dem Einfluss revolutionärer polnischer Arbeiter in Warschau die Leninschen Ideen zur Notwendigkeit des Kampfes gegen kapitalistische Ausbeutung und der Eroberung der Arbeitermacht kennen.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden 1915 bedeutende Betriebe nach Zentralrussland evakuiert, weshalb Karol Swierczewski Ende 1915 in Kasan arbeitete. Doch bereits 1916 siedelte er nach Moskau über.

Nach Ausbruch der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution meldete er sich als Freiwilliger zur Roten Garde. Sein militärisches Talent war schnell entdeckt. Im Bürgerkrieg gegen weißgardistische Armeen und konterrevolutionäre Banden führte er ein Bataillon, später ein Regiment.

 

Als Spaniens Volk sich 1936 gegen die putschenden Faschisten erhob, gehörte Karol Swiercewski zu den ersten Interbrigadisten, die den Kampf an seiner Seite aufnahmen. Unter seinem Pseudonym „General Walter" wirkte er als Kommandeur der XIV. Internationalen Brigade „La Marseillaise" sowie der internationalen Division „A" und der 35. Internationalen Division.

General Walter kämpfte mit seinen Männern in den Stellungen vor Madrid, am Jarama, in Aragonien, bei Quinto, um Belchite und bei Zaragoza. Die Volksfrontregierung ehrte ihn damals für seine großen Verdienste mit dem selten verliehenen, höchsten Orden der Republik „Lorbeer von Madrid".

Interbrigadist Heinz Hoffmann (später Armeegeneral der NVA in der DDR) meinte später: „So ist mir Karol Swierczewski in Erinnerung geblieben: Hart und unerbittlich in seinen Forderungen, aber mit viel Verständnis für seine Soldaten; denn er wusste, was er ihnen abverlangte. So unnachgiebig General Walter jeden unserer Fehler und jede Schwäche kritisierte, so hoch schätzte er die Leistungen der Interbrigadisten ein."

Seine militärischen Erfahrungen aus dieser Zeit legte K. Swierczewski später in einer Dissertation zum Thema „Die Handlungen der 35. Division der Republikaner in der Angriffsoperation Saragossa 1937" dar, die Marschall Radion Malinowski in einem Gutachten als ein Werk bezeichnete, „in dem der Autor tiefgehende Kenntnisse in der Kriegskunst offenbarte".

Der deutsche Kommunist und Spanienkämpfer Franz Dahlem schrieb damals: „Politische Überzeugung und militärische Schlagkraft, - das war die Stärke der Interbrigadisten unter Führung General Walters. Der Ruhm der drei Jahre lang heroisch um die Befreiung Spaniens kämpfenden spanischen Volksarmee und ihrer Internationalen Brigaden ist unlöslich mit dem Namen General Walters verbunden."

 

Im Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion warteten auf General Swierczewski neue, schwierige Aufgaben. Er führte die 248. Schützendivision der Roten Armee und stellte im sowjetischen Hinterland Reservetruppenteile auf. Polnische Patrioten begannen im Mai 1943 in der UdSSR mit der Aufstellung polnischer Truppen. Daran beteiligte sich ab August 1943 auch Karol Swierczewski. Die 1. Infanteriedivision „Tadeusz Kosciuszko" erhielt am 12. Oktober bei Lenino in der Nähe von Smolensk ihre Feuertaufe. (vgl. Skizze, die den Kampfweg bis in die Lausitz und ins tschechische Melnik im Mai 1945 ausweist)

 

Der rasche Zustrom Freiwilliger machte die Bildung des 1. Korps der polnischen Streitkräfte möglich. General Swierczewski wurde sein stellvertretender Kommandeur. In diesem Korps kämpfte auch der ehemalige Erste Sekretär des ZK der PVAP, Armeegeneral Wojciech Jaruzelski, der einen Aufklärungszug führte, später die Aufklärungsabteilung eines Regiments leitete und bis zum letzten Kriegstag in der 1. Polnischen Armee diente, die an der endgültigen Zerschlagung des Faschismus in der Berliner Operation 1945 beteiligt war.

Die Sowjetunion rüstete in dieser Zeit ihre polnischen Waffengefährten mit mehr als 400.000 Maschinenpistolen und Karabinern, mehr als 8.300 Granatwerfern und Geschützen, fast 700 Panzern und Selbstfahrlafetten, 630 Kampfflugzeugen und 500.000 Uniformen aus.

Karol Swierczewski übernahm 1944 den Befehl über die 2. Polnische Armee, deren Formierung und Ausbildung im Januar 1945 abgeschlossen war. Der General führte sie Anfang 1945 aus den Ausbildungsbasen in die vorderste Linie, wobei sie zur 1. Belorussischen und zur 1. Ukrainischen Front gehörte.

 

 

 

Am 16. April 1945 trat die inzwischen 89.000 Mann starke 2. Polnische Armee, in der 1. Ukrainischen Front unter Marschall Iwan Konew kämpfend, in der Berliner Operation zu ihrer größten Schlacht an. Fünf Infanteriedivisionen, ein Panzerkorps, eine Panzerbrigade, ein Regiment schwerer Panzer und eines der Panzerabwehr sowie eine Pionierbrigade forcierten unter dem Befehl General Swierczewskis die Neiße, stießen nach Westen vor und halfen in Ostsachsen die Regionen Niesky, Bautzen, Kamenz und Bischofswerda einzunehmen, um Anfang Mai in der Prager Operation bei Melnik ihren Kampfweg zu beenden.

 

Vereidigung der polnische Soldaten auf ihre Fahne; an ihre Kanone schrieben sie ihren Schwur: „Für Warschau!"

 

Nach dem Krieg stand die Volksmacht Polens vor schwierigen Aufgaben. Der Krieg Deutschlands mit dem Überfall auf Polen 1939, die 7-jährige deutsche Okkupation sowie der nationale Befreiungskampf und die Teilnahme an der Zerschlagung Hitler-Deutschlands hatte dem polnischen Volk sechs Millionen Tote gekostet. Warschau und viele andere Städte sowie die Industrie lagen in Trümmern, denn 70 Prozent der Industrie war zerstört. Weite Teile des Landes waren durch den Krieg verwüstet.

Unermüdlich setzte sich Karol Swieczewski, nun als stellvertretender Verteidigungsminister seines polnischen Heimatlandes, für die Festigung des Arbeiter-und-Bauern-Staates ein und stellte seine Erfahrungen beim Kampf gegen Konterrevolutionäre, Diversanten und Terroristen zur Verfügung.

 

In einem seiner Befehle hinterließ er den Angehörigen der Polnischen Armee gewissermaßen sein politisches Testament, in dem sich die Erfahrung seines jahrzehntelangen Klassenkampfes ausdrückt. Er legte ihnen ans Herz, Soldaten zu sein, die sich ihrer Verpflichtungen gegenüber dem Vaterland bewusst und vom Gefühl der Bündnistreue gegenüber der Sowjetunion beseelt sind.

Marschall der Sowjetunion Iwan Konew wusste ihn zu würdigen: „Die von General Swierczewski befehligte 2. Polnische Armee erhielt während der Berliner Operation ihre Feuertaufe. Als alter Soldat weiß ich, wie schwer es ist, einen so großen Verband wie eine Armee erstmalig ins Gefecht zu führen. Aber Karol Swierczewski und sein Stab hatten sich gründlich darauf vorbereitet. Das tragische Ende dieses hervorragenden Vertreters der polnischen Arbeiterklasse, des Armeeoberbefehlshabers und alten Freundes erschütterten mich tief."

 

Als der Autor dieses Beitrages 1980 als Doktorand zum Studienaufenthalt zur Vorbereitung seiner historischen Dissertation in Warschau weilte, sah er es als eine freundschaftliche Geste gegenüber dem polnischen Volk an, Karol Swierczewski zu gedenken. Gemeinsam mit dem Militärhistoriker des polnischen Militärarchivs, Oberst Dr. Kaczmarek, wurde im Ehrenhain am imposanten Grabmal des glühenden Internationalisten und hervorragenden polnischen Generals Karol Swierczewski-Walter eine würdige Ehrung vorgenommen. Möge er unvergessen bleiben!