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15 Jahre DRAFD

Die neue Zeit braucht eine neue Organisation

Gespräch mit Ernst Melis, Vorsitzender, Über die Entwicklung der DRAFD seit 15 Jahren

Was war der Anlass für die Gründung der DRAFD am 26. Mai 1992?

Als sich nach der Wende im Osten die Komitees der antifaschistischen Widerstandskämpfer auflösten, blieb u. a. die Arbeitsgruppe der bewaffneten Kämpfer in den Reihen der Antihitlerkoalition und der Partisanenverbände übrig. Bereits in der Vergangenheit hatten wir gute Kontakte zu unseren Freunden in der Bundesrepublik, die sich in der IEDW, der Interessengemeinschaft ehemaliger deutscher Widerstandskämpfer in den vom Faschismus okkupierten Ländern, organisiert hatten. Diese Kontakte intensivierten sich nach 1990. Bereits im Frühjahr 1990 konstituierte sich eine Arbeitsgruppe, um alle Fragen, die mit einer Vereinigung zusammenhingen, zu klären. Die Überlegungen, sich zusammenzutun, die Kräfte zu bündeln, nahmen sehr rasch konkrete Gestalt an.

Was für  Überlegungen waren das?

Uns lag vor allen Dingen daran, eine breitere Öffentlichkeitsarbeit herzustellen. Wir wollten den Kontakt zu Schulen, zu Universitäten, zu Jugendgruppen. Dabei ging es nicht nur darum, die Jugendarbeit schlechthin zu intensivieren, sondern sie - für einen Teil - überhaupt erst einmal herzustellen. In der DDR hatten Menschen, die nicht direkt am Widerstand beteiligt waren, sich aber für unsere Arbeit interessierten, nicht die Möglichkeit, sich bei uns zu organisieren. Das war in der IEDW anders. Die VVN im Westen hatte sich ja bereits 1971 für nachfolgende Generationen geöffnet. Uns war klar, dass das auch für die vereinte Organisation der einzig richtige Weg war, wenn wir der starken Überalterung wirksam begegnen wollten. Und da wir uns in allen Fragen sehr schnell einig waren, war die DRAFD die erste vereinte antifaschistische Organisation, die nach der Wende entstand.

 

Was war das Neue an der DRAFD?

Wie gesagt, in der Bundesrepublik gab es die IEDW. Sie wurde 1972 gegründet. Im selben Jahr wurde auch in der DDR innerhalb der Komitees der Antifaschistischen Widerstandskämpfer die Arbeitsgruppe der bewaffneten Kämpfer in den Reihen der Antihitlerkoalition und der Partisanenverbände ins Leben gerufen. Auch in anderen Ländern wurden in diesem Zeitraum ähnliche Zusammenschlüsse gebildet, die auf eine Initiative der FIR zurückzuführen waren. Sowohl in der BRD als auch in der DDR waren dies lose Zusammenschlüsse. Es gab kein Statut, keine eigene Regelung für Mitgliedsbeiträge u. ä. In der DDR wurde die Arbeitsgruppe 1981 aufgelöst. Die Begründung: Man wollte eine Zersplitterung der bereits damals immer schwächer werdenden Kräfte vermeiden.

Mit der Gründung der DRAFD sollte sich nun damit Schluss sein und die neue, gemeinsame Organisation auf eine juristische Ebene gestellt werden. Wir arbeiteten ein Statut aus, eine Finanzrichtlinie und gründeten uns dann zu einem eingetragenen Verein.

Mit der Vereinigung von DDR und BRD wurden viele Themen unter ein neues, verändertes politisches Vorzeichen gestellt, so auch der Antifaschismus. Inwieweit war das bei der Gründung von DRAFD ausschlaggebend?

Das spielte eine außerordentlich große Rolle. Mit dem Zusammenbruch der DDR wurden plötzlich Fragen diskutiert, die selbst in der Bundesrepublik seit Jahrzehnten nicht mehr auf der Tagesordnung gestanden hatten. Die Delegitimierung des Antifaschismus, der plötzlich abwertend als in der DDR „verordnet" bezeichnet wurde, war zum Beispiel so ein Auswuchs. Plötzlich wurden Straßen, die die Namen von Widerstandskämpfern trugen, umbenannt. Gedenkstätten wurden umgestaltet, Gedenksteine entfernt, der kommunistische Widerstand klein- und schlechtgeredet, ja sogar gänzlich ausgeblendet. Besonders in den neuen Bundesländern herrschte eine regelrechte Hysterie. Wir sahen uns also mit einer neuen Situation konfrontiert. Die Aufklärung über die wahren Zusammenhänge und Tatsachen des Widerstandes, die unsere Kameraden in der Bundesrepublik seit 1972 mit großem Engagement betrieben hatten, befand sich mit der Vereinigung wieder am Anfang. Dagegen wollten wir mit Nachdruck vorgehen und zwar vereint und mit neuen Bündnispartnern.

Auf welche Ergebnisse in der Arbeit kann DRAFD seit den 15 Jahren ihres Bestehens zurückblicken?

 

Es ist uns sehr erfolgreich gelungen, die Öffentlichkeit für unser Anliegen, für unsere Themen zu gewinnen. Dabei waren die beiden Ausstellungen „Deutsche in der Resistance", die seit 1995, und „Für Deutschland. Gegen Hitler", die seit 1997 gezeigt wird, äußerst hilfreich. Beide Expositionen waren und sind noch immer in vielen deutschen Städten, aber auch in Frankreich, Belgien und den Niederlanden zu sehen. Die russischsprachige Version von „Für Deutschland. Gegen Hitler", die sich der „Bewegung Freies Deutschland" widmet, ist seit 2003 Dauerausstellung in Moskau. Zahlreiche Editionen sind in den vergangenen 15 Jahren erschienen. Das jüngste Kind konnten wir vor zwei Jahren präsentieren: Die Kurzbiografien Deutscher, die in der Resistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung „Freies Deutschland" gegen Hitler kämpften, erschienen im Dietz Verlag. Unser inzwischen leider verstorbener Kamerad Gottfried Hamacher hat sich sehr dafür eingesetzt, dass dieses Buch zustande gekommen ist. Die Forschungsarbeit auf dem Gebiet weist aber noch immer sehr viele weiße Flecken auf. Und so war mit Erscheinen des Buches klar, dass es Überarbeitungen geben wird. Daran wird mit großer Unterstützung von Günter Wehner, Andre Lohmar und Harald Wittstock gearbeitet.

Als in den letzten Jahren sich die Arbeitsgemeinschaft der 999er und die Spanienkämpfer der DRAFD anschlossen, erhielten wir weitere Impulse. So durch die Ausstellung „Wer waren die 999er?" und nicht zu vergessen die zahlreichen Veranstaltungen im vergangenen Jahr zum 70. Jahrestag der Interbrigaden.

Es ist uns gelungen, in den zurückliegenden Jahren die internationale Arbeit neu zu beleben und auszubauen. Dabei sind wertvolle Kontakte, besonders nach Frankreich, entstanden. Eine wirklich gute Zusammenarbeit pflegen wir mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin.

Von ihnen erhielten wir bei der Erstellung der Ausstellungen große Unterstützung. Ich könnte noch vieles andere nennen, z.B. unsere Internetseite, die regelmäßig erscheinenden DRAFD-Informationen, die Auszeichnung unseres Kameraden Gerhard Leo als Ritter der Ehrenlegion - die höchste Auszeichnung Frankreichs - und nicht zuletzt die vielen Veranstaltungen mit Schulklassen, gerade auch zum 60. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus.

Welche Aufgaben stehen künftig im Mittelpunkt? Worauf liegt der Schwerpunkt?

 

Uns liegt natürlich besonders am Herzen, dass all das, was wir in den vergangenen 15 Jahren seit Bestehen der DRAFD erreicht und erkämpft haben, bewahrt bleibt und fortgeführt wird. Deshalb ist uns die Gewinnung junger Menschen für unsere Arbeit ein Grundanliegen. Wie das geschehen soll, welche Möglichkeiten es gibt und auf welchen Wegen wir das erreichen können ist aus diesem Grunde immer wieder Gegenstand unserer Beratungen. Uns ist klar, dass das am ehesten durch gemeinsame Aktionen erreicht werden kann. So planen wir für dieses Jahr eine Reise nach Polen. Dort wollen wir die Gräber von gefallenen Deutschen besuchen, die einst in der polnischen Volksarmee gegen Hitler gekämpft haben. Viele von ihnen erhielten für ihren Mut und ihren Einsatz hohe polnische Auszeichnungen. Die Verhandlungen mit der polnischen Botschaft diesbezüglich sind schon recht weit gediehen.

 

Das Gespräch führte Juliane Haseloff im Jahr 2007