Home Navigationspfeil News Navigationspfeil Brief an Gerhard Schröder

Brief an Bundeskanzler Gerhard Schröder

Herrn

Gerhard Schröder

Kanzler der Bundesrepublik Deutschland

Willy-Brandt-Str. 1

10557 Berlin
                                                                                      Berlin, 23. 10. 2004

 Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,

 unsere diesjährige Mitgliederversammlung stand voll und ganz im Zeichen der Vorbereitung auf den im Mai 2005 bevorstehenden 60. Jahrestag der Beendigung des furchtbaren Zweiten Weltkriegs und der Befreiung der europäischen Völker, auch unseres deutschen Volkes, von der faschistischen Barbarei. Wir sehen es als unsere Verpflichtung an, nach Maßgabe unserer bescheidenen Kräfte zur Würdigung dieses so geschichtsträchtigen und nach wie vor in die Zukunft weisenden Jubiläums beizutragen. Dies umso mehr, als es wohl der letzte runde Jahrestag sein wird, an dessen Ausgestaltung auch Zeitzeugen mit ihren persönlichen Erinnerungen in den verschiedensten Ländern teilnehmen und ihr Vermächtnis den nachfolgenden Generationen übermitteln können. Wir begrüßen Ihre Entscheidung, im Mai 2005 auf Einladung von Präsident Wladimir Putin an den Feiern in Moskau teilzunehmen. Wir sind sicher, dass Sie, wie schon in der Normandie und in Warschau, den Sieg der Antihitlerkoalition auch als Befreiungstat für Deutschland würdigen und hierbei den opferreichen und entscheidenden Beitrag der Armee wie der Völker der Sowjetunion hervorheben werden.

Wir dürfen die historische Wahrheit nicht verschweigen, dass der Anteil deutscher Widerstandskämpfer gegen das barbarische NS-Regime und seinen verbrecherischen Krieg zur Eroberung der Weltherrschaft, obwohl es Zehntausende waren, dennoch gering war. Dabei gehörten zu den Deutschen, die sich den schlimmsten Feinden der menschlichen Zivilisation wie auch des deutschen Volkes entschieden entgegensetzten, auch jene, die freiwillig in die Reihen der Streitkräfte der Antihitlerkoalition eingetreten waren. Andere hatten sich der bewaffneten Widerstandsbewegung in den von der deutschen Wehrmacht okkupierten Ländern angeschlossen oder auf andere Weise von außen zur Einstellung des sinnlosen und verbrecherischen Eroberungskriegs der NS-Machthaber gerufen. Sie alle handelten genau so wie die mutigen Verschwörer des 20. Juli, wie alle Männer und Frauen des deutschen Widerstands als echte deutsche Patrioten und sollten nicht vergessen werden. In Frankreich wie in Russland und in anderen Ländern wird dieser Beitrag zur Befreiungstat uneingeschränkt gewürdigt, auch durch offizielle Grußschreiben an unseren Verband und die Verleihung hoher Auszeichnungen.

Der bevorstehende 60. Jahrestag des Sieges der Antihitlerkoalition und der Befreiung der Völker von der faschistischen Barbarei gibt sicher auch Ihnen die Möglichkeit, auf diesen bisher leider so wenig beachteten Aspekt eines deutschen Beitrags an der Rettung der menschlichen Zivilisation hinzuweisen. Mit freundlichen Grüßen

Ernst Melis, Vorsitzender