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Zum Tode von Peter Gingold:

In seinem Sinne eine Erinnerung und Information zum antifaschistischen Kampf in Frankreich und der wenig bekannten Tatsache der Teilnahme mutiger deutscher Antifaschistinnen und Antifaschisten

Frankreichs fremde Patrioten - Deutsche in der Résistance

Ein Film von Frank Gutermuth und Wolfgang Schoen
Redaktion: Gerolf Karwath

Sendetermin SWR: Donnerstag, 14.12.2006, 23.00 Uhr; 45 min, D 2005

Zum Tode von Peter Gingold zeigte der SWR die Dokumentation „Frankreichs fremde Patrioten - Deutsche in der Résitance". Gingold, Résistancekämpfer aus jüdischem Elternhaus, starb am 28. Oktober 2006 in seiner Heimatstadt Frankfurt/Main nach schwerer Krankheit im Alter von 90 Jahren. Peter Gingold war bis zuletzt ein couragierter Aktivist und viel gefragter Gesprächspartner für Gewerkschaften, linke Bewegungen und vor allem Jugendliche. Sein Leben und Wirken wird neben anderen Protagonisten in dieser Dokumentation gewürdigt

Aus der Programmankündigung von Arte bei der Erstsendung:

Während des Zweiten Weltkrieges kämpften in der französischen Résistance auch eine Reihe von deutschen Gegnern des nationalsozialistischen Regimes. Einige von ihnen erzählen in der Dokumentation von den damaligen Aktionen. Sie schildern aber auch die Zeit nach dem Krieg, als sie in der Bundesrepublik bei vielen Deutschen als Verräter galten, während sie in der DDR als Antifaschisten geehrt wurden. ARTE zeigt diese Sendung innerhalb eines Programmschwerpunktes anlässlich des Tags der deutsch-französischen Freundschaft am 22. Januar.

Rund 3.000 Deutsche kämpften während der Zeit des Dritten Reiches in der französischen Résistance. Die meisten von ihnen waren Verfolgte der Nationalsozialisten: Kommunisten, Juden und andere Regimegegner, die aus Deutschland fliehen mussten. Patriot zu sein, hieß für sie auf Seiten der Alliierten gegen die Nazis zu kämpfen. Heute leben nur noch wenige dieser "aufrechten Patrioten", wie der französische Philosoph Jean-Paul Sartre sie nannte. Zu ihnen gehören auch Peter Gingold und seine Familie sowie Kurt Hälker und Henriette Dreifuss. Sie erzählen von den Erlebnissen, die sie dazu bewogen haben, sich der Résistance anzuschließen und gegen die deutschen Besatzer, die immerhin ihre Landsleute waren, zu kämpfen. Sie schildern die konkreten Aktionen, die Verfolgung, die Haftbedingungen und die Folter in den Gestapo-Gefängnissen, aber auch ihre Rolle beim Aufstand zur Befreiung von Paris.

Nach dem Krieg wird ihnen das Leben schwer gemacht, vielen Deutschen gelten sie als Verräter. Einige sitzen wegen ihrer politischen Überzeugung auch in der Bundesrepublik wieder im Gefängnis oder erhalten als Kommunisten Berufsverbot. Ganz andere Erfahrungen macht Kurt Hälker, der nach dem Krieg in der DDR lebt und dort als Antifaschist geehrt wird. Erst in den 90er Jahren ändert sich das Bild der Résistancekämpfer in der Bundesrepublik. 2004 wird einer der Protagonisten, Peter Gingold, mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille ausgezeichnet. Damit ehrt die Internationale Liga für Menschenrechte Personen, die sich um die Verteidigung der Menschenrechte besonders verdient gemacht haben - eine späte Würdigung für Peter Gingold und, indirekt, auch für die anderen, die mit ihm in der Résistance kämpften.

Résistance-Kämpfern wie Peter Gingold wird auf Grund der Renten-Gesetze nach wie vor ihre Dienst-Zeit in der Résistance nicht für die Rentenansprüche angerechnet. Ehemaligen, mittlerweile betagten SS-Angehörigen aber, beispielsweise in Lettland, überweist die Bundesrepublik regelmäßig eine kleine Pensionszahlung.