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Deutsche bei Titos Partisanen 1941-1945

 

(Rez. von Werner Müller)

Ein verdrängtes Kapitel Widerstand.

Heinz Kühnrich / Franz-Karl Hitze: Deutsche bei Titos Partisanen 1941-1945. GNN-Verlag, Schkeuditz, 1997
ISBN: 3929994836

Heinz Kühnrich / Franz-Karl Hitze: Deutsche bei Titos Partisanen 1941-1945 

Am 6. April 1941 fiel die deutsche Wehrmacht über das von Hitler soeben noch umworbene Jugoslawien her und tilgte diesen Staat binnen zwei Wochen von der Landkarte Europas, um dann die Aggression weiter nach Griechenland ins Mittelmeer zu tragen. Es war der letzte jener "Blitzkriege", die dem heimtückischen Angriff auf die Sowjetunion vorausgingen. Er wurde von den dabei eingesetzten Verbänden mit der gleichen Gnadenlosigkeit geführt, wie sie für die militärischen Operationen der Naziwehrmacht nach dem 22. Juni 1941 gegen die Völker des Sowjetlandes zur Regel wurden.

 

Aber die strategischen Planer in Berlin wurden nach der Kapitulation der jugoslawischen Armee den Kriegsschauplatz Balkan nicht los. Denn alsbald entfaltete sich auf jugoslawischem Territorium der Volkswiderstand gegen die deutschen Okkupanten und ihre Verbündeten in einem bis dahin in den besetzten europäischen Ländern ungeahnten Ausmaß.

Das vorliegende Buch handelt davon, wie und in welchem Umfang deutsche Antifaschisten in diesen Volkskrieg an die Seite der Partisanen von Titos Volksarmee traten und unter höchst komplizierten Verhältnissen als wahre deutsche Patrioten ihren Beitrag zur Befreiung der Völker Jugoslawiens leisteten, ein Kapitel, das im Rahmen der 1995 erschienenen Publikation "Im Bunde mit dem Feind" nur skizziert werden konnte.

Die Autoren, der Historiker Heinz Kühnrich und der DDR-Diplomat Franz-Karl Hitze, haben ihr Buch im Untertitel "Kriegsschicksale auf dem Balkan in Augenzeugenberichten und Dokumenten genannt, um anzudeuten, dass sie keineswegs beanspruchen, dieses Thema erschöpfend behandelt zu haben, dass sie die Arbeit vielmehr als Anstoß zu weiteren Forschungen auf diesem Gebiet verstehen, handelt es sich doch um ein aus vielerlei Gründen verdrängtes Kapitel der Teilnahme deutscher Antifaschisten am Widerstand der europäischen Völker gegen den Hitlerfaschismus. Sie benennen auch die Gründe für diese Verdrängung, die auf Seiten der DDR-Historiographie wie seitens der Historiker in der alten BRD durchaus unterschiedlich waren.

Die Darstellung des Themas ist in den Rahmen des Gesamtkriegsgeschehens gestellt, dessen Verlauf sich auch in den militärischen und politischen Ereignissen auf jugoslawischem Territorium widerspiegelt. Die Drehachse bilden die Schicksale deutscher Antifaschisten, darunter viele aus der Strafeinheit "999", die in bewegenden Zeitzeugenberichten und Dokumenten, auch der Kommandostellen der Wehrmacht, reproduziert werden.

Von besonderem Interesse sind hier die Darlegungen über die "Telmanovci", jene Partisaneneinheit mit Thälmanns Namen, der einzige aus deutschen Antifaschisten bestehende eigenständige Verband auf Seiten der Streitkräfte der Antihitlerkoalition. Den Kontrapunkt bilden die Schilderungen über die Waffen-SS-Division Prinz Eugen, die speziell zum Kampf gegen den Volkswiderstand in jener Region rekrutiert wurde, die Belege über die Massaker der deutschen Wehrmacht, für die hier das von Kragujevac, schon im April 1941, diese Stadt in eine Reihe mit Oradour, Lidice und den zahllosen Brandstätten auf sowjetischem Territorium rückt.

Das Buch geht in seinen abschließenden Teilen über 1945 hinaus. Wir erfahren wichtige Details über die antifaschistische Arbeit unter den deutschen Kriegsgefangenen in jugoslawischen Lagern.

Angehörige des Zentralen Antifaausschusses in Belgrad

Die Aktualität der Thematik wird im Vor- wie im Nachwort unterstrichen. Horst Grabert, Chef des Kanzleramtes unter WiIIy Brandt und 1979-1985 BRD-Botschafter in Belgrad, stellt in seinen knappen Vorbemerkungen fest, dass heute, wo deutsche Soldaten in einem Gebiet stehen, "das die Deutsche Wehrmacht mit brutaler Gewalt zu unterdrücken suchte, muss Klarheit herrschen. Keine Verwechslungen dürfen möglich sein. Dazu ist es notwendig, sich den damaligen Ereignissen zu stellen. Geschieht dies nicht mit der erforderlichen Deutlichkeit, so keimt der Verdacht, dass alte Pläne doch nicht ad acta gelegt sind".

Angehörige des Zentralen Antifaausschusses in Belgrad (v. I. n. r.: Alfred Lowack, Franz Riedler (Österreich), Gustav Müller, Karl Wloch, Karl-Heinz Paulmann, Ionny Schacht, Adolf lsche)

Im Nachwort dankt Prof. Dejan Pavlovic Kreculj als einer der Kämpfer der Volksbefreiungsarmee Jugoslawiens den Autoren für ihren Beitrag, der beweise, "dass sie ehrbare und tapfere Historiker geblieben sind. Denn Geschichtsschreibung verlangt nicht nur Wissen - sie verlangt auch Methodologie, vor allem jedoch Achtung und Tapferkeit", ein Urteil, dem man sich in Bezug auf dieses Buch vollinhaltlich anschließen kann.