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Aufstand des Gewissens



(Rez. von Peter Gingold)

 

Militärischer Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime 1933 bis 1945. Begleitband zur Wanderausstellung des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes. Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes. Hrsg. von Thomas Vogel - 5. völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. Verlag E. S. Mittler & Sohn Hamburg Berlin Bonn 2000. 615 Seiten. ISBN 3-81 32-0708-0.

Aufstand des Gewissens. Militärischer Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime 1933 bis 1945. 

Der vorliegende Begleitband zur Wanderausstellung des "Militärischen Widerstandes" gegen die faschistische Diktatur in Deutschland bietet eine Fülle interessanter Fakten und Sichtweisen des militärischen Aufbegehrens gegen das NS-Regime. Dreiundzwanzig Autoren bringen den Lesern die Vielfalt und die unterschiedlichsten Probleme des militärischen Widerstandes zur Kenntnis, die sinnvoll die ergänzen, da eine Ausstellung nie so detailliert wie eine Publikation auf alle Aspekte ihres auswählten Themas eingehen kann. Das Buch vertieft mit seinen Beiträgen die in der Ausstellung vermittelten geschichtlichen Prozesse und Zusammenhänge des militärischen Widerstands gegen die faschistische Diktatur. Den Lesern wird plastisch erläutert, dass das Attentat vom 20. Juli 1944 aus den verschiedenartigsten Quellen und Motiven gespeist wurde, um den Krieg zu beenden.

 

Hans Mommsen geht in seinem Beitrag auf die Stellung der Militäropposition im Rahmen der deutschen Widerstandsbewegung gegen Hitler ein. Er kritisiert zu Recht, dass trotz der so vorrangig betriebenen Forschung der Bewegung des 20. Juli 1944 bis heute eine umfassende Darstellung der Militärposition fehlt. Er vermisst die eigenständigen Wurzeln des militärischen Widerstandes, der ihm zu sehr als ein "Anhängsel der Verschwörergruppe um Ludwig Beck" dargestellt scheint. Hans Mommsen resümiert in seinem Artikel: "Die Geschichte des militärischen Widerstandes stellt eine einzigartige Variante der Spannung zwischen Politik und Kriegsführung dar."

Die Autoren Klaus-Jürgen Müller, Helmut Krausnick, Peter Hoffmann und Georg Meyer beschreiben in ihren Beiträgen den militärischen Widerstand in seinen Möglichkeiten, Ansätzen, Grenzen und Kontroversen. Persönliche Erlebnisse und Zugänge zum militärischen Widerstand schildern Johann Adolf Graf von Kielmansegg und Peter Sauerbruch. Peter Steinbach geht in seinem Beitrag auf die Beziehungen des militärischen Widerstandes zu zivilen Gruppierungen des Widerstandes ein. Jürgen Danyel schildert in seinem Aufsatz das Handeln und Wirken der Widerstandsgruppen um Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen im Kontext der Geschichte des militärischen Widerstandes gegen die NS-Diktatur.

Hervorzuheben ist, dass die Problematik Desertion und Kriegsdienstverweigerung als Formen des Widerstandes in die Publikation aufgenommen wurde.

Kritisch anzumerken ist, dass der Beitrag von Jörg Morres zum Nationalkomitee "Freies Deutschland" - "Widerstand aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft?" gegenüber dem bereits vorhandenen Forschungsstand zurückfällt und überholte Klischeevorstellungen bedient. Sinnvoll abgeschlossen wird die Publikation mit einer Chronik der Ereignisse zum 20. Juli 1944 und durch ein umfassendes Personenregister. Die Publikation ist ein eigenständiges Werk unabhängig von der Ausstellung zum militärischen Widerstand und eine Fundgrube der Argumentation gegen den Rechtsextremismus.