Jan Korte MdB                                        11. Mai 2010

Trauerrede für Stefan Doernberg

Liebe Soja Doernberg, liebe Swetlana Doernberg, lieber Victor Doernberg, liebe Enkel und Urenkel, sehr geehrter Herr Botschafter, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Genossinnen und Genossen,

mit Blick auf die Geschichte Deutschlands, in Ost und West, schrieb Stefan Doernberg 1998 in der Utopie Kreativ: „Wir sollten dazu beitragen, das Verständnis dafür zu stärken. In diesem Sinn ‚kein Schwamm darüber‘. Richtige Geschichtsbetrachtung ist Voraussetzung für die Gestaltung der Zukunft.“

Diese Aufforderung sollten wir viel ernster nehmen – auch heute in der neuen Linken. Denn unsere Geschichte beginnt nicht erst 2007 sondern hat viel, viel tiefer liegende Wurzeln. Zu recht, wird oft auf die negativen Seiten unserer Geschichte aufmerksam gemacht. Diese Auseinandersetzung sollten wir um der Linken selber willen auch weiter führen. Nicht wegen irgendwelchen Pharisäern in anderen Parteien.

 

Aber es gibt für uns, auch für mich als jungen Bundestagsabgeordneten der LINKEN, eine Geschichte die stolz macht. Und diese stolzen Momente sind eben direkt mit Menschen wie Stefan Doernberg verbunden: Mein kleiner Bruder hat Stefan Doernberg in einer Fernsehdokumentation gesehen und mit mir darüber gesprochen: In seiner Sprache sagte er: Was? Der ist in der Linkspartei wo Du auch aktiv bist? Das ist ja voll cool!

Ja, solch eine gelebte Geschichte ist wirklich außergewöhnlich.

Stefan Doernberg gehört zu den Menschen, die die Befreiung erkämpft haben – unter Einsatz ihres Lebens. Man kann sich nicht vorstellen was aus der Welt geworden wäre, wenn die Menschen in der Sowjetunion, mit und ohne Uniform, nicht durchgehalten hätten. Das sollte auch im Bundestag öfter mal erwähnt werden.

Wie kein anderer gehört Stefan Doernberg zu einer damaligen Minderheit von Deutschen: Zu denen, die den Kampf gegen Nazideutschland aufnahmen. Die meisten Deutschen taten es leider nicht. Nach 1945 begann in der Bundesrepublik die Rückkehr der NS-Funktionseliten in Amt und Würden. Begründet wurde dies antikommunistisch: Im Kalten krieg, griff man auf diejenigen zurück, die schon vorher gegen die Kommunisten vorgegangen waren. In den fünfziger Jahren musste in der Bundesrepublik selbst die Anerkennung des Widerstands des 20. Juli erkämpft werden. Sie galten lange als Hochverräter. Meine und unsere Aufgabe ist es heute endlich auch diejenigen zu ehren, die von Anfang an gegen das Nazi-Regime kämpften, die in den Armeen der Alliierten kämpften und: Wir kämpfen – bei allen politisch unterschiedlichen Einschätzungen - endlich für die Anerkennung des gesamten Widerstandes der Arbeiterbewegung, explizit auch um die gleichrangige Würdigung des Widerstandes der Kommunistinnen und Kommunisten. Dies ist Tagesaufgabe – auch im Parlament. Es ist Verpflichtung für eine LINKE, die geschichtsbewusst sein will.

Für die neue Linke, ist das Leben von Stefan Doernberg, mit all dem Erlebten, mit all den Widersprüchlichkeiten, mit all den Niederlagen, mit all den Hoffnungen und mit all den Kämpfen eine stolze Geschichte, die wir wach halten sollten - bei all unserm politischen Tagesgeschäft.

Und ich bin sicher: In der LINKEN gibt es auch in meiner Generation Genossinnen und Genossen, die dieses Vermächtnis nicht vergessen. Wir werden uns erinnern, uns engagieren und die Erfahrungen und das Wissen von Stefan bei gegebener Zeit dann an die nächste Generation weitergeben. Das versprechen wir.

Danke.

Es gilt das gesprochene Wort.